Newsletter 26. Juli 2017

Liebe Aikido-ka,

gestern Abend war also das letzte Training für das Sommersemester. Der Hochschulsport geht insgesamt in die Sommerferien und die Kurse in der vorlesungsfreien Zeit beginnen am 21. August. Unser Kurs fängt früher an und hört noch früher auf:
Dienstags 19:00–20:30 Uhr
Wenn es Euch also gefallen hat und Ihr „im Lande“ seid, dann freue ich mich, Euch dann wieder zu sehen.
Das Wintersemester beginnt am 10. Oktober und dann findet der Kurs zu denselben zeigen statt, wie jetzt:
Dienstags, 19:30–21:30 Uhr

Dazwischen gibt es noch zwei Aikido-Seminare im Zentrum für Bewegung & Lebenskunst, an denen zwei großartige Gastlehrerinnen unterrichten werden:
01.–03. September Lia Suzuki, 6. Dan aus Los Angeles, http://aki-usa.org/lia-suzuki/
30. September–01. Oktober Janet Clift, 6. Dan, Athen, http://www.aikidoathens.gr/aikido-english/aikido.html
Beide freuen sich, wie die meisten Aikido-Lehrer, über Anfänger und Ihr könnt bei einem solchen Seminar erfahren, wie schnell Ihr lernen könnt. Hier findet Ihr die konkreten Daten: http://lebenskunst-bonn.de/seminare/

Und nun zum gestrigen Übungsprogramm. Interessanterweise sagte Achim zu mir in der Umkleide, dass er sich doch ein Aikido-Buch besorgen müsse, um zu verstehen, was es für Techniken gibt und wie die sich unterscheiden. Und das genau war mein Thema gestern. Das ist natürlich ausgesprochen anspruchsvoll und wir konnten viele Aspekte des Technikspektrums nur an der Oberfläche ankratzen. Mir ging es in erster Linie darum, in groben Zügen die Systematik der (meisten) Aikido-Techniken zu verdeutlichen, soweit es die Zusammenhänge der Techniken untereinander angeht. Die Idee dazu habe ich von meinem Lehrer, Nobuyuki Watanabe, 8. Dan und Shihan, vor etlichen Jahren auf einem seiner Seminare in Japan bekommen. Ich kann hier natürlich nur das wiedergeben, was ich verstanden habe. Ob das alles ist, kann ich leider nicht sagen … Tatsächlich hatte ich spontan vor Kurzem in meinem Dojo genau das auch gemacht und dazu folgenden Text verfasst:

___________________________________________________
Am Freitag, den 02. Juni 2017, zum Abendtraining saßen mir die Teilnehmer gegenüber. Darunter auch jemand, der sich vor zwei Wochen darüber beklagt hatte, dass sie im Unterricht keinen Überblick bekäme, was Aikido ist und welche Techniken es gibt. Sie habe deshalb vor dem anstehenden Prüfungslehrgang ein ganz unsicheres Gefühl und sie 
wisse auch gar nicht mehr, ob sie Aikido weiter machen möchte. Das war wohl der Auslöser für folgende Begebenheit.

Eigentlich wollte ich mit dem Warm-Up beginnen. Aber dann kam aus meinen Mund:

„Ich zeige Euch jetzt in 5 Minuten das gesamte Curriculum im Aikido. Es ist ganz einfach.“ Puh, aber es gab keine Zeit zum Nachdenken. Fünf Minuten sind kurz. Also hier ist das Ergebnis von dem, was ich dann gesagt und gezeigt habe und einiges, was ich im Nachhinein hinzu gefügt habe, um die Darstellung vollständig zu machen.

1. Es gibt nur zwei verschiedene Beinbewegungen im Aikido:
Irimi Tenkan und Tai Sabaki. Bei dem einen geht der vordere Fuß in einem Schiebeschritt zuerst nach vorne, dann gibt es eine Drehung und einen Schritt zurück. Beim anderen geht der hintere Fuß in einem großen Schritt nach vorne, dann eine Drehung und ein Schritt zurück.

2. Es gibt nur zwei verschiedene Rollen: vorwärts und rückwärts, Mae Ukemi und Ushiro Ukemi. Aus dem Sitzen und aus dem Stehen.

3. Es gibt sechzehn Angriffsformen. Die kann man in drei Gruppen teilen. Die eine besteht aus Angriffen mit dem größten Abstand, Shomen Uchi (6. Form), Yoko Men Uchi (7. Form), (Chudan) Tsuki (8. Form). Das sind alle schlagenden Angriffe. Dann kommen die Angriffe mit einem mittleren Abstand, Katate-dori Ai-hanmi und Gyakku-hanmi (1. und 2. Form), Ryote -dori (10. Form), Ushiro Ryote-dori (13. Form), Katate-ryote-dori (3. Form). Der Abstand wird bestimmt durch die Armlängen der beiden Partner. Die dritte Gruppe besteht aus Angriffen mit dem geringsten Abstand, Kata-dori men-uchi (5. Form), Mone-tori (4. Form), 9., 11., 12., 14., 15. und 16. Form (alles Varianten von Ryote-dori bzw. Ushiro-ryote-dori).

4. Es gibt im wesentlichen drei Haltetechniken und drei dazu korrespondierende Wurftechniken. Sie unterscheiden sich in erster Linie dadurch, dass sich der Ellenbogen des Uke in drei unterschiedlichen Höhen befindet: Ikkyo (etwas mehr als horizontal), Sankyo (ungefähr Stirnhöhe) und Yonkyo (oberhalb des Kopfes). Die korrespondierenden Wurftechniken sind Irma-Nage (Ellenbogen etwas tiefer als horizontal), Kaiten-nage (ungefähr Brusthöhe) und Shido-Nage (Bauchnabelhöhe).

5. Es gibt eine Halte- bzw korrespondierende Wurftechnik für den Fall, dass Ikkyo schief geht und Uke seinen Angriff fortsetzen kann: Nikkyo bzw Kotegaeshi. Der Ellenbogen ist dann horizontal.

6. Es gibt drei weitere Wurftechniken. Kossi-Nage (Hüftwurf), Tenchi-nage (Erde-Himmel-Wurf) und Kokkyo-nage (Atemkraftwurf). Diese gibt es in endlos vielen ausführungen.

Das ist alles.

Die Komplexität entsteht durch folgende Kombinatorik. Fast alle Halte- und Wurftechniken (also acht plus drei) sind auf alle sechzehn Angriffe anwendbar. Und bei fast all diesen Angriffs-Technik-Kombinationen gibt es eine Variante, die auf der Vorderseite des Uke ausgeführt wird (jap. Obote) und auf der Rückseite (jap. Ura). Dann können ebenfalls fast alle Kombinationen im Knien (jap. Suwari-waza) von beiden Partnern, einer kniet (der Tori) und einer steht (der Uke) (jap. Hanoi Han-dachi) und natürlich wenn beide stehen (jap. Tachi).

Die Kombinatorik wird weiter vergrößert, weil einiges davon auch gegen mehrere gleichzeitig angreifende Partner funktioniert, weil man aus einer Technik in eine andere Technik übergehen kann, wenn der Uke versucht, sich aus der einen Technik heraus zu bewegen (jap. Renzoku-waza), weil es Kontertechniken gibt, wenn der Uke selber eine Aikido-Technik anwendet (jap. Kaeshi-waza).

Und dann gibt es vieles davon auch mit Waffen und zwar einmal mit dem Schwert (jap. Aiki-ken) und mit dem Kampfstock (jap. Aiki-jo). Dabei können beide Partner dieselbe oder verschiedene Waffen haben oder nur einer der beiden eine der beiden Waffen. 

Schließlich gibt es genau eine Haltetechnik im Curriculum, die für Messerangriffe gedacht ist: Gokkyo, die fünfte Haltetechnik. Tatsächlich könne auch andere Techniken gegen Messerangriffe eingesetzt werden, müssen aber etwas anders ausgeführt werden. Da traditionell der Hosenrock getragen wird (jap. Hakama), gibt es im Curriculum keine Techniken gegen Fußtritte oder -stöße. Tatsächlic h gehen da aber einige der Wurf- und Haltetechniken hervorragend. Für den Angreifer sind diese Techniken absolut desaströs, da man nur ausgesprochen schwer durch ein kontrolliertes Fallen einer Verletzung entgehen kann.

Viel Spaß beim Keiko (deutsch Training)!
___________________________________________________
Soviel zu „Aikido in 5 Minuten“. Ihr ahnt, dass es doch etwa länger braucht, um wirklich alles einmal zu sehen, geschweige denn zu üben und zu beherrschen. Ich bleibe aber dabei, dass es vollkommen ausreicht, die vier Haltetechniken und deren korrespondierenden Wurftechniken gut zu verstehen, um einen Zugang zu allem Anderen zu bekommen. Da ein Anfänger dieselben Techniken übt, wie ein Fortgeschrittener, wirst Du automatisch mit fortschreitendem Training immer besser.

Traditionell haben wir uns dann nach einem leicht verkürzten Training in der Havanna Bar in der Clemens-August-Straße getroffen.

Ich wünsche Euch einen trotz (vermutetem) Klimawandel einen schönen Sommer und freue mich, wenn wir uns wiedersehen.
Euer Thomas
____________________________________________________________________________________________
In meinem letzten Rundbrief hatte ich schon einige Informationen zum Aikido-Unterricht während der Schulferien geschrieben. Dies hier noch einmal aktualisiert und mit mehr Details.
In den Schulferien findet kein Kinder- und Jugendlichentraining statt. Aber alle, die Lust haben und mindestens 12 Jahre alt sind, können in dieser Zeit zum Erwachsenentraining kommen!
Das Erwachsenentraining findet wie folgt statt:
Montags (Sabine): Findet ab dem 14. August wieder statt
Donnerstags, Freitags, Samstags (Thomas):  Findet bis zum 5. August (Samstag) einschließlich statt und dann wieder ab dem 30. August (Mittwoch)
Mittwochs (Thomas/Gregor): Findet bis zum 9. August einschließlich statt und dann  wieder ab dem 23. August
Dienstags (Stéphane, Jürgen): Findet durchgehend statt
Samstags (Peter) Findet durchgehend statt
Am ersten Septemberwochenende kommt Lia Suzuki zu uns! Die Ausschreibung mit allen Daten dazu habe ich angehängt. Wer sich bis zum Sonntag, den 06. August verbindlich anmeldet, erhält einen 10% Rabatt 🙂
Die Ausschreibungen für die weiteren Lehrgänge kommen noch, bevor ich in die USA reise, um dort bei verschiedenen Dojos zu unterrichten bzw. am Unterricht teil zu nehmen. Hier meine bisher geplante Reise hat folgende Stationen:
Dr. Paul Linden, Columbus, Ohio http://www.being-in-movement.com
Genjo Marinello, Seattle. Washington  http://choboji.org
Kimberly Richardson, Seattle, Washington http://Twocranesaikido.com
Bay Area Besuche bei verschiedenen Dojos
Lia Suzuki, Los Angeles, California  http://aki-usa.org
Josh Gold, Irvine, California  http://ikazuchi.com
Auf der FB-Seite vom Zentrum werde ich aktuell dazu berichten! Die könnt Ihr Euch auch immer gerne anschauen und wenn sie Euch gefällt, den „Like-Button“ anklicken. Meistens schreibe ich dort den wöchentlichen Schwerpunkt in meinen Aikido-Stunden auf. Zum Nachlesen und Nachdenken. Und allerlei anderes Informatives aus der Welt des Aikido.
Hier die Daten für die weiteren Lehrgänge in diesem Jahr:
01. – 03. September Lia Suzuki, 6. Dan, Los Angeles  http://aki-usa.org
30. September–01. Oktober Janet Clift, 6. Dan Aikikai, Athen  http://www.aikidoathens.gr/aikido-english/aikido.html
21. Oktober, Samstag Dr. Dirk Müller, 6. Dan, Hamburg  http://www.shoshin-hamburg.de/shoshin.html
25. – 26. November Piers Cooke, 7. Dan, London  http://coldharbour-aikido.co.uk/piers.html
ein Dezember-Wochenende Prof. Dr. Thomas Christaller, 5. Dan, mit Kyu-Prüfungen für diejenigen, die am gesamten Lehrgang teilnehmen.
Und für 2018 stehen auch schon einige Termine fest:
23.–25. Februar Matti Joensuu, 6. Dan, Villach  http://www.kimusubi.at
05.–06. Mai Leo Tamaki, Paris  http://www.leotamaki.com
16.–17. Juni Daniele Montenegro, 5. Dan, Mailand  http://www.aikidodanielemontenegro.com
Euch allen einen wunderbaren Sommer!
herzliche grüße,
Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.